Die 10.5 cm Turmkanone

Über dieses Geschütz ist schon viel geschrieben worden; wo die Türme wann eingebaut wurden etc.

Nachstehend soll ganz kurz der Ablauf des Schiessens resp. die Geschützbedienung erläutert werden; zumindest soweit ich mich noch erinnern kann - ist ja mittlerweilen auch ein Weilchen her...

Die vollständige Geschützmannschaft umfasste 10 Mann inklusive einen Geschützführer: Der Geschützbereich begann nach einer Panzertüre mit einem Vorraum, in dem der Filter für den Kollektivmaskenschutz stand und die Bereitschaftsmunition lag. Diese wurde von insgesamt vier Zuträgern vom Munitionsmagazin zum Geschützbereich gebracht, auf den Paternosterlift gelegt und am oberen Ende des Liftes vom vierten Zuträger durch eine Luke in den Bodenraum des Geschützes verschoben. Im Bodenraum standen zwei Munitionswarte, ein Tempierer und der Geschützführer. Im eigentlichen Geschützraum standen links vom Verschluss der Lader und rechts der Richter und Verschlusswart. Der Richter hatte einen der wenigen sitzenden Jobs in der Armee.

Die Munition wurde zwischen dem Magazin und dem Geschütz auf Stollenwagen und einem Paternosterlift verschoben. Der Rückschub umfasste leergeschossene Hülsen und unverbrauchte Ladungen.

Ein Mass an Bereitschaftsmunition (20 Hülsen komplett, 6 leere Hülsen für unverbrauchte Ladungen, 20 Granaten und Zünder) konnte im Bodenraum des Geschützturmes bereitgehalten werden. Von den Munitionswarten wurden die Ladungen gemäss Kommandierung in den Hülsen bereitgestellt, die Zünder auf die Granaten geschraubt und die Schutzkappen entfernt. Der Tempierer stellte die kommandierte Zeit bei den Momentan-Zeitzündern ein und stellte Granate und Hülse auf eine Hebevorrichtung. In einem Kraftakt hob er die Munition auf die Ebene des Geschützraumes, wo der Lader die Granate auf die Ladeschaufel legte und diese zum Verschluss hin kippte; mittels Pressluft wurde die Granate in das Rohr gestossen. Es erfolgt das Nachschieben der Hülse.

Der Richtkantonier stellt an zwei verschiedenen Steuerrädern den Seiten- und Höhenwinkel (Azimut und Elevation) am Geschütz ein; der Geschützführer verfolgte die eingestellten Werte vom Bodenraum aus. Ebenso musste der Geschützführer die Ladungen und die Tempierung kontrollieren (was natürlich keiner machte, da die Ausführenden zu ihm rübergehen mussten).

Panzertüre zum Geschützbereich. Am Boden lagerndes Ersatzrohr für die Turmkanone. Rechts an der Wand Rohrsystem des Kollektivmaskenschutzes; bei Position 2 wurde der Filter eingesetzt

Basis des Paternosteraufzuges

Auf dem Paternoster fanden sich immer zwei Liegemulden für eine Granate oder Hülse oder Zünder nebeneinander. Bei einigen Türmen fand sich auf der Treppe eine Schiene zum Rohrwechsel

Fitnesstraining für die Festungssoldaten: Treppensteigen...

Links an der Wand zwei Schienen für den Rohrwechsel

Der 4. Zuträger nahm die Munition vom Lift und legte sie auf eine Schale bei der Durchreiche....

wo sie vom Munitionswart im Bodenraum in Empfang genommen wurde

Blick vom Bodenraum in den Geschützraum auf die Steuerräder für Elevation und Azimut

Aufnahme der K+W Thun, Panzerturm ohne Kuppel: Rechts Anzeigen von Azimut und Elevation, links Position des Verschlusswartes

Blick von unten auf die Position des Verschlusswartes: Roter Hebel zum Auslösen der Ladeschaufel für die Granate.

Blick in den Bodenraum (Zugangsdeckel angehoben). Position des Geschützführers unter Richter/Verschlusswart. Der Rot-weisse Ring stellt die Skala für das Azimut (Seitenbereich) dar. Rot: Hier nicht schiessen, da Ausland. Der Geschützführer konnte selber die Werte verändern und so die Funktion des Richtkanoniers übernehmen.